
An der Wende zum 15. Jahrhundert war das künstlerische Schaffen im gesamten Abendland von einer gemeinsamen Sprache bestimmt, die verfeinert, linear und fließend ist. Diese „internationale” Strömung, die in Deutschland auch „weicher Stil” genannt wird, wurde mit dem Manierismus des folgenden Jahrhunderts verglichen. Sie verweist auf den vielfältigen Austausch zwischen den großen künstlerischen Zentren, die zugleich auch die Zentren der Macht in Europa waren: Paris, Avignon, Prag.
Obwohl in Straßburg kein Fürst residierte, war die Stadt zu dieser Zeit ein bedeutendes Kunstzentrum, was insbesondere die Münsterbauhütte und die qualitativ hochwertigen Bildwerke des Meisters des Paradiesgärtleins bezeugen. Durch den Verlust zahlreicher Werke in den folgenden Jahrhunderten ist diese künstlerische Dynamik bisher nicht ausreichend gewürdigt worden. Es ist also Zeit für eine Bilanz in Form einer Ausstellung. Sie zeigt etwa 100 Werke unterschiedlicher Techniken (Gemälde, Handschriften, Zeichnungen, Glasfenster, Bildteppiche, Skulpturen), die den herausragenden Platz der Stadt in der europäischen Kunst um 1400 belegen.